LukasTitel klein

Lukas ist der Erste gewesen, der im Jahr 2012 das neu eingeführte Zertifikat Experte des Handwerks erhalten hat. Es war für ihn überhaupt keine Frage die zusätzlichen Prüfungen zu absolvieren, da er von Beginn an wusste, was die Holzwerkstatt für ihn bedeutet. Doch das ist lange her. Denn es dauerte noch weitere sechs Jahre bis er sich nach dem Abitur einen Herzenswunsch erfüllte und zurück zum Stoppenberg kam, um sich eine E-Gittare zu bauen. Das klingt interessant - und: Das ist es auch...

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Wie baut man eigentlich eine Gitarre? – Eine Rückkehr in die Holzwerkstatt am Stoppenberg

Wie baut man eigentlich eine E-Gitarre? Dieser Frage wollte ich auf den Grund gehen und bin deshalb 2018, ein Jahr nach meinem Abitur, wieder in die Holzwerkstatt am Stoppenberg zurückgekehrt. Mit einer Idee im Gepäck konnte ich mich auf meine alte Werkbank und natürlich auf Herrn Gemlaus Rat freuen und verlassen.

Lukas1Die erste Skizze meiner Gitarre

Alles fängt mit der ersten Skizze an. Die Gitarre soll wie eine Mischung zwischen der „Univox Hi-Flier Phase 4“ und der „Fender Jaguar“ sein. Nach einigen Änderungen an der Skizze, wie zum Beispiel die Lage des Wahlschalters für die Tonabnehmer oder die Form des Körpers, kann ich den Entwurf digitalisieren.

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Die fertige Vorlage

Wichtig ist die Wahl des Holzes. Da gibt es viele verschiedene Möglichkeiten. Ich entscheide mich für Linde, da es gut für Rockgitarren geeignet ist. Nun kann ich anfangen, die Form auf das Holz zu übertragen und auszusägen. Damit der Hals auch in den Körper passt, muss ich eine Tasche an die richtige Stelle fräsen. Ein erster Test zeigt: alles passt!

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Gitarre3                                                                                                           

Schon jetzt sieht es nach Gitarre aus

Unter das „Pickguard“, also die weiße Kunststoffplatte, kommt die gesamte Elektronik der Gitarre. Das wären Tonabnehmer, Schalter, Lautstärke- und Tonregler und Output-Buchse. Alles ist mit dünnen Kabeln verbunden und muss passend miteinander verlötet werden. Das Know-How dazu habe ich von anderen Gitarren-Projekten. Dabei ist alles gar nicht so kompliziert, wie es auf den ersten Blick aussieht.

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Das ausgebohrte Elektronikfach

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Das Pickguard von unten

Zusätzlich zum Pickguard kommen noch die beiden silbernen Balken auf den Körper – Saitenhalter und Brücke. Die beiden Teile halten die unteren Enden der sechs Saiten fest, während die Oberen von den Stimmmechaniken auf der Kopfplatte gehalten werden. Dafür habe ich bereits vor dem Lackieren Löcher an die richtige Stelle gebohrt. Diese beiden Teile habe ich, wie den Rest der Elektronik auch, vom Kölner Musikhändler meines Vertrauens. Alles Passt! Das Instrument kann nun zum Lackierer gehen, der mir den Body der Gitarre professionell in Surf Green lackiert.

Gitarre6 Der fertig lackierte Body

Bevor ich alles zusammenbaue, muss ich noch die Kopfplatte lackieren. Weil das beim Profi für die kleine Stelle zu teuer wäre, mache ich das einfach selbst mit Klarlack aus dem Baumarkt. Und wie jede Gitarre braucht auch meine noch einen Namen und ein Logo. Dabei habe ich mich für „Washingtone“ entschieden. Eine Mischung aus „Washington“, dem US-Bundesstaat, aus dem mein Lieblingsgenre, der Grunge kommt (wer das nicht kennt, googeln!) und aus „Tone“, was natürlich für Musik steht.

Gitarre7Die Kopfplatte mit Logo und Mechaniken

 

Gitarre8Der erste Eindruck ist nicht schlecht

Die Gitarre ist nun bereit für den Einsatz auf der Bühne. Mit meiner Band „Disintegrated“ geht’s auf zum „New Local Heroes Festival“ in Gelsenkirchen. Ein kleiner Contest, den wir sogar gewinnen können.

 

 LukasOnStage Meine Gitarre und ich bei einem Konzert

Man kann schon sagen, dass man für das Geld, was ich ausgegeben habe, auch bessere Instrumente bekommen kann. Allerdings besitze ich jetzt ein Unikat, das genau meinen Wünschen entspricht und sich auch gut spielen lässt. Beim nächsten Mal wüsste ich, welche Fehler ich nicht nochmal machen würde und hätte insgesamt mehr Wissen über die Funktionsweise und Elektronik einer Gitarre. Aber genau dafür war das Projekt ja da. Ich wollte etwas lernen und am Ende ein Ergebnis haben, mit dem ich zufrieden bin.

Lukas Köhnen